Gestern Abend verabschiedete sich OL Marten Töwe (20) beim Training der Hamburg Blue Devils von seinen Teamkollegen. Donnerstag geht sein Flieger nach Tampa, Florida. 2000 ging der 2-Meter-Mann mit ein paar Kumpels zu einem Blue Devils Spiel in die AOL-Arena und dachte: irgendwann stehe ich da unten. Bis dahin hatte er allerdings noch kein Football gespielt, Judo hatte er neun Jahre gemacht.
2001 begann dann Martens steile Football-Karriere. Denn was er sich einmal in den Kopf gesetzt hat, zieht er auch durch. Zunächst war seine Mutter wegen der Verletzungsgefahr dagegen, dass er Football spielt – und prompt verletzte er sich im Training. Aber davon ließ er sich nicht aufhalten. Er überzeugte seine Mutter, dass Football der ideale Sport für ihn ist, nahm den weiten Weg von Timmerhorn zum Training in Hamburg auf sich und lernte schnell, was ein Offensive Lineman zu tun hat.
Gleich im ersten Jahr bei den Hamburg Junior Devils zog sein Team ins Viertelfinale ein. 2002, in seinem letzten Jugendjahr, wurde er Nordmeister, allerdings war wieder im Viertelfinale des Junior Bowl Schluss. In beiden Jahren kam Marten in die Hamburger Jugendauswahl. 2002 stand Marten außerdem im Aufgebot der Junioren-Nationalmannschaft für die EM in Glasgow, Schottland und wurde Vize-Europameister.
2002 wurde es dann ernst bei den Herren – und er stand da unten, auf dem Rasen der AOL-Arena. Von Jahr zu Jahr bekam er mehr Spielzeit, lernte ständig dazu und machte seine Sache gut. Das brachte ihm Ende 2003 eine Einladung zu den Tryouts der NFL Europe ein. Frankfurt Galaxy Head Coach Doug Graber wollte ihn sofort für die Galaxy verpflichten, aber Marten winkte ab, er wolle lieber aufs College. Zwei Wochen später kam ein Anruf vom Recruiting Coordinator der University of South Florida (USF) und Marten flog zum Probetraining nach Tampa. Eingefädelt hatte das ganze Doug Graber, der selbst aus Tampa stammt und mit dem Head Coach von USF, Jim Leavitt, befreundet ist.
Beim Probetraining hinterließ Marten einen hervorragenden Eindruck, die Uni bot ihm ein Voll-Stipendium an. Jetzt hieß es, diverse Formalitäten erledigen. Ende Juli war endlich alles geklärt, im Roster von USF stand er schon länger. Und nun geht es los. Für Marten geht damit ein Traum in Erfüllung. Erstens erhält er eine gute Ausbildung, was hier mit seinem Abi-Schnitt schwieriger gewesen wäre, zweitens kann er Football spielen und das auf höchstem College-Niveau.
Erst vor sieben Jahren startete die University of South Florida ihr NCAA Football Programm. Los ging es in der Division I-AA. Ab 2001 spielten sie zunächst für zwei Jahre inoffiziell in der I-A Conference USA. 2003 wurde es dann offiziell und jetzt steht für 2005 der Wechsel in die Big East Conference an. USF war dabei äußerst erfolgreich, erreichte in sieben Jahren eine Bilanz von 51-26. Das heißt Head Coach Jim Leavitt erreichte damit die ersten 50 Siege seiner College-Karriere schneller als die meisten aktiven I-A Coaches, lediglich sechs waren besser.
Marten (6-7, 310) wird einer von zwei "true freshman" in der Offensive Line der Bulls sein. Zudem kehren alle Starter des Vorjahres in die Offensive Line zurück. Die Gegner 2004 sind Army, Cincinnati, East Carolina, Houston, Louisville, Memphis, Southern Miss, Texas Christian (TCU), Tulane und Alabama Birmingham (UAB). Das Stadion (Raymond James, 65.600 Zuschauer) teilen die South Florida Bulls mit den Tampa Bay Buccaneers.
Natürlich ist Martens großes Ziel die NFL, aber wenn das nicht klappen sollte, so sagt er, hat er immerhin ein abgeschlossenes Studium. Wir wünschen Marten alles Gute, viel Erfolg schulisch wie sportlich, und wir werden von Zeit zu Zeit berichten wie es ihm dort geht.
Marten Töwes Karriere im Überblick:
2001 Hamburg Junior Devils (German Junior Football League)
2001 Hamburger Jugendauswahl (4. Platz Jugendländerturnier)
2002 Hamburg Junior Devils (German Junior Football League)
2002 Hamburger Jugendauswahl (3. Platz beim Jugendländerturnier)
2002 Junioren Nationalmannschaft (Vize-Europameister)
2003 Hamburg Blue Devils (German Football League / German Bowl Champion)
2004 Hamburg Blue Devils (German Football League)
2004 University of South Florida (NCAA Division I-A, Conference USA)
meb
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